Forum STE-PS – Wissen muss anwendbar sein

Veroeffentlicht December 25, 2009 | by Michael Wuensch
Kategorie STE-PS Forum, STE-PS Presseberichte | 1 Comment

08.10.2008 Nürtinger Zeitung

Vortrag von Dr. Mirjam Steffensky beim Forum STE-PS im Lehrerseminar: Naturwissenschaftliche Grundbildung ist mehr als Experimentieren

NÜRTINGEN (als). “Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun” – mit diesem Zitat aus Goethes “Wilhelm Meisters Wanderjahre“ eröffnete Direktor Siegfried Henzler jüngst die zweite Vortragsveranstaltung der Reihe „Forum Steps“ am Nürtinger Lehrerseminar. „Steps“ verfolgt das Ziel, die Lehrerbildung und den Unterricht in der naturwissenschaftlich-technischen Bildung nachhaltig zu fördern und zu verbessern. Dr. Mirjam Steffensky von der Universität Münster gab mit ihrem Vortrag zur Didaktik naturwissenschaftlichen Lernens wertvolle Impulse für die Weiterarbeit in diesem Projekt.

Direktor Henzler führte in den Nachmittag ein. Das Wichtigste, so Henzler, sei es, der Neugier der Kinder im Bereich der Naturwissenschaft und Technik Raum zu geben. Das Lernen der Kinder müsse von Lehrkräften professionell begleitet werden, damit diese ihre Welt begreifen können. Das Lehrerseminar kooperiert hierzu im Projekt Steps mit Partnerschulen, um die Lehrerbildung in diesem Bereich weiterzuentwickeln.

Dr. Mirjam Steffensky promovierte im Jahr 2000 und ist als Professorin an der Universität Münster für Chemie-Didaktik tätig. In ihrem Vortrag nahm Steffensky das Lernen der Kinder im naturwissenschaftlichen Unterricht genauer unter die Lupe.

Was macht einen guten naturwissenschaftlich-technischen Unterricht aus? Naturwissenschaftliche Bildung, so Steffensky, sei ein lebenslanger Prozess. Es gehe in der Schule nicht nur darum, auf einen späteren Beruf vorzubereiten. Vielmehr gehe es auch darum, bei Schülern eine Grundlage zu schaffen, um sich in einer naturwissenschaftlich-technisch orientierten Welt interessiert mit aktuellen Themen zu befassen. Wissen müsse anwendbar sein. Forschungsbefunde zeigten, dass Kinder bereits im vorschulischen Alter Vorstellungen zu naturwissenschaftlichen Denk- und Arbeitsweisen haben, die durch einen guten Unterricht lernwirksam werden können.

Steffensky führte in den Begriff des “Konzeptwechsels” ein: Lehrkräfte müssten sich dessen bewusst sein, dass Vorstellungen der Kinder, sogenannte Konzepte, zunächst abgerufen werden müssen. Die Schüler sollten durch die bewusste Auseinandersetzung Anregungen bekommen, um eigene Vorstellungen zu überprüfen und Neues zu lernen. Die reine Vermittlung von Lerninhalten sei nicht hilfreich, um den notwendigen Konzeptwechsel für nachhaltiges Lernen herbeizuführen.

Ein aktiver Wissensaufbau benötige Zeit, müsse alltagsnah und bedeutsam sein. Unterricht umfasse mehr als reine Wissensvermittlung. Lehrkräfte müssten den Schülern Denkhilfen geben und sie vor allem im Bereich der Hauptschulen mehr fordern. Hauptschüler könnten im Bereich des naturwissenschaftlichen Lernens viel mehr leisten, als ihnen oft zugetraut würde.

Steffensky führte weiter aus, dass es eine aktiv-entdeckende Unterrichtsgestaltung brauche, um effektives Lernen zu ermöglichen. Um nachhaltiges Lernen zu fördern, müssten Versuche über bloßen Aktionismus hinausgehen. Es bestehe sonst die Gefahr, dass den Schülern Erklärungen übergestülpt würden, die Halbwissen erzeugen. Eine Methode, die das aktive Lernen unterstütze, sei das Experimentieren durch die Schüler. Die Forschung zeige, dass an das Experimentieren sehr hohe Erwartungen geknüpft würden, die aber oft in der Praxis nicht erfüllt werden.

Es gäbe neben dem Experiment weitere wissenschaftliche Methoden wie das Sammeln, Ordnen, Beobachten und Beschreiben, die als Grundlage für das Experimentieren benötigt würden. Naturwissenschaftliche Phänomene müssten zudem in unterschiedlichen Zusammenhängen entdeckt werden können, um nachhaltiges Lernen zu ermöglichen.

Steffensky wollte die Lehrkräfte nicht davon abbringen, die Schüler experimentieren zu lassen. Sie machte jedoch deutlich, dass ein Experiment nur dann einen Lernprozess in Gang bringe, wenn der Vorbereitung und der Auswertung entsprechend Raum gegeben würde. Wichtig sei hierbei, im Unterricht über die Beobachtungen zu sprechen. „Lieber ein Experiment weniger, dafür aber gut vorbereitet und im Sinne des Konzeptwechsels begleitet“, so Steffensky. Ein Lerntagebuch der Schüler dokumentiere zudem den Lernprozess.

In Gesprächsrunden mit Ausbildern, Lehreranwärtern und Gästen wurden anschließend Fragen für eine Podiumsrunde mit Mirjam Steffensky erarbeitet. Auf dem Podium wurde die Frage nach dem Fachwissen der Lehrkräfte aufgegriffen. Lehrern müsse klar sein, so Steffensky, dass auch sie lebenslang Lernende seien. Das nötige Fachwissen müssten sie sich aneignen. Es entspreche nicht dem Berufsbild der Lehrkräfte, Inhalte, die man selbst nicht beherrsche, einfach wegzulassen. Man müsse eigene Defizite erkennen und diese durch Fort- und Weiterbildung aktiv abbauen.

Steffensky bezog noch einmal Stellung zum Experimentieren der Schüler. Sie habe eine kritische Haltung zum freien Umgang mit Experimentiermaterialien. Es müsse eine klare Fragestellung vorhanden sein. Es gebe keine Belege dafür, dass Kinder durch das freie Hantieren mit Experimentiermaterial mehr lernen würden. Sie sei sich dessen bewusst, dass Kinder ausgesprochen gerne experimentierten und eine kritische Haltung zum Herumspielen als „Spaßbremse“ aufgefasst würde. Durch ihre auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden Ausführungen wurde den Anwesenden jedoch die Notwendigkeit des planvollen Einsatzes des Experiments bewusst.

Projekteiter Michael Wünsch sieht sich durch den Vortrag in der Ausrichtung von “STE-PS” bestätigt. Die von Mirjam Steffensky angeführten Merkmale für lernwirksamen naturwissenschaftlichen Unterricht seien handlungsleitend für die Ausbildung von Lehreranwärtern. Entwicklungsfelder sieht Wünsch in der gemeinsamen Planung, Umsetzung und Evaluation von Unterrichtsmodulen mit den Partnerschulen. Diese Module, so Wünsch, können Modell sein für nachhaltigen naturwissenschaftlich-technischen Unterricht.

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Dieser Beitrag wurde am Friday, den 25. December 2009 veröffentlicht und unter der Kategorie STE-PS Forum, STE-PS Presseberichte abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

Kommentare

One Response to “Forum STE-PS – Wissen muss anwendbar sein”

  1. “Naturwissenschaftliche Grundbildung ist mehr als Experimentieren” on January 19th, 2010 8:55 am

    [...] Ein Pressebericht über einen Vortrag von Dr. Mirjam Steffensky beim Forum STE-PS im Lehrerseminar: Naturwissenschaftliche Grundbildung ist mehr als Experimentieren gibt es hier zum Nachlesen: Zum Artikel. [...]

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