Forum STE-PS – Den Unterricht an Kinderfragen orientieren

Veroeffentlicht December 25, 2009 | by Michael Wuensch
Kategorie STE-PS Forum, STE-PS Presseberichte | Kommentieren

19.09.2008 Nürtinger Zeitung

Das Forum “STE-PS” am Lehrerseminar befasst sich mit dem Thema „Kompetente Lehrer im naturwissenschaftlich-technischen Unterricht“

NÜRTINGEN (als). Ziel des Lehrerseminar-Forums “STE-PS” ist es in diesem Jahr, die Lehrer besser auf den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht vorzubereiten. Professor Dr. Rita Wodzinski von der Universität Kassel war der Einladung des Lehrerseminars gefolgt und hielt dabei einen Vortrag zum Thema “Welche Kompetenzen benötigen Lehrkräfte, um erfolgreiche Lernprozesse bei Schülerinnen und Schülern im Bereich der naturwissenschaftlich-technischen Bildung ermöglichen zu können?”. Dieser Vortrag bildete den Mittelpunkt der Veranstaltung. In Gesprächsrunden aller Teilnehmer wurden anschließend Fragen erarbeitet, die in einer abschließenden Podiumsrunde mit Lehreranwärterinnen durch die Vortragende beantwortet werden konnten.

Bevor Rita Wodzinski in ihrem lebendigen und interessanten Vortrag den Stand der Wissenschaft darlegte, begrüßte Seminarleiter Siegfried Henzler die Gäste, neben Interessierten aus dem schulischen Bereich waren als Vertreterin des Kultusministeriums Annely Zeeb anwesend, Wolfgang Schiele vom Regierungspräsidium Stuttgart, Rita Reuss vom Landesinstitut für Schulentwicklung und zwei Ausbildungsmeister der Firma Metabo, die diese Veranstaltung finanziell unterstützte.

Mit einem Verweis auf aktuelle Studien des oftmals stiefmütterlich behandelten Bereichs der naturwissenschaftlich-technischen Bildung führte Direktor Henzler in die Thematik des Forums ein und stellte die Ziele dar, die das Projekt „Ste-ps“ des Nürtinger Lehrerseminars verfolgt. “STE-PS” ist das Kürzel für “Science Teacher Education – Principles and Standards” (wir berichteten).

Neben dem Aufbau von Kompetenzen im Bereich der naturwissenschaftlich-technischen Bildung für angehende Grund- und Hauptschullehrer können Schulen bei Bedarf vom Seminar Unterstützung erfahren, wie anregende Lernumgebungen und lernwirksame didaktische Module gestaltet werden können.

Die Professorin, die als Vorsitzende des Fachverbandes Didaktik der Physik an der Uni Kassel einen gleichnamigen Lehrstuhl für alle Lehrämter innehat, erörterte in ihrem Vortrag, wie Lehrkräfte Kompetenzen aufbauen und erweitern können, um guten naturwissenschaftlichen Unterricht zu gestalten. Neben Fachwissen stellte sie einen weiteren wichtigen Aspekt heraus: das Zutrauen und die Neugier, sich selbst Fragen zu stellen und Alltagsphänomenen einmal auf den Grund zu gehen, um sich dem unter Umständen ungeliebten Gebiet der Physik und der Technik anzunähern.

Als Gründe für das geringe Interesse, sich mit Physik und Technik auseinanderzusetzen, nannte Wodzinski schlechte Erfahrungen aus der eigenen Schulzeit der Lehramtsstudierenden. Im schulischen Bereich käme die oft unzureichende Ausstattung für das Experimentieren, vor allem an Grundschulen, hinzu. Die beste Ausstattung nütze jedoch wenig, wenn sich die Lehrkräfte fachlich nicht kompetent genug fühlten, da ihnen oftmals Grundkenntnisse fehlen, die sie auch im Studium für das Grund- und Hauptschullehramt nicht erworben hatten. Man habe sich mit der Materie durch die Wahl der Studienfächer an der Pädagogischen Hochschule gar nicht auseinandersetzen müssen.

Das Studium bereitet nicht auf die Berufswirklichkeit vor
Eine Lehreranwärterin brachte das Problem in der Podiumsrunde mit der Darstellung der eigenen Situation zur Sprache. Sie habe Physik in der Schule bewusst abgewählt und nun sei es mit dem studierten Fach Biologie erforderlich, dass sie in dem Fächerverbund Materie/Natur/Technik genau auf dem Gebiet kompetent sein müsse, für das sie sich am wenigsten kompetent fühle. Das Studium mit dem Schwerpunkt Grundschule habe sie nicht auf die Berufswirklichkeit in der Hauptschule vorbereitet.

Rita Wodzinski zeigte an mehreren Studien zur Unterrichtsforschung auf, dass neben der Fachkompetenz der Lehrkräfte eine deutliche Strukturierung des Unterrichts und eine auf selbst entdeckende Problemlösung ausgerichtete Unterrichtsgestaltung Faktoren für das Gelingen des Unterrichts sind. Lehrkräfte sollten die Kinder beobachten und somit neben berufsbegleitenden, qualifizierten Weiterbildungen ihre fachlichen Kompetenzen erweitern.

Das Gesamtfazit, so die Vortragende, laute, dass fertig ausgearbeitetes Material häufig noch keinen guten Unterricht garantiere. Die fehlenden Kompetenzen könne man erweitern durch das Recherchieren von Phänomenen, durch das Feststellen der Lernstände der Schüler, durch die Beschaffung geeigneten Materials, durch ein gutes Arrangement von Lernsituationen und Lernumgebungen sowie die Dokumentation der Lernverläufe und die Reflexion über das, was die Schüler in einer Unterrichtseinheit gelernt haben.

In den an den Vortrag anschließenden Gesprächsrunden wurde unter anderem die Frage aufgeworfen, wie die Rolle der Lehrkraft im Unterricht aussehen solle. Professor Dr. Wodzinski entschied sich bei der Beantwortung der Frage für einen Mittelweg. Der Unterricht müsse durchaus Phasen haben, die klar strukturiert und angeleitet sind, den Schülern aber auch viel Zeit für freies und selbsttätiges Experimentieren lassen. Mit dem Begriff der „Spielwiese“ machte sie deutlich, dass Schülerinnen und Schülern die Freiräume bekommen sollten, Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.

Angehende Lehrerinnen und Lehrer sollten nicht davon ausgehen, dass sie in der Zeit des Vorbereitungsdienstes allumfassende Fachkompetenzen erwerben könnten. Es sei für Lehreranwärter sinnvoll, an ihren Schulen Freiräume zu bekommen, um Unterrichtsideen auszuprobieren. Dabei sei es bedeutsam, dass Ausbildungsziele zwischen Schulen und dem Seminar gut abgestimmt seien und eine intensive Kooperation stattfände. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Mentoren an den Schulen. In Lerngemeinschaften sei das Lernen effektiver. In Teams könne man sich bei der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts gegenseitig den Rücken stärken und somit die eigene Professionalisierung vorantreiben.
“Ich weiß auch nicht auf alle Fragen eine Antwort und fühle mich trotzdem kompetent”, so Rita Wodzinski. Dies aus dem Munde einer hochkarätigen Professorin zu hören, ermutigte die Anwesenden, sich schrittweise Kompetenzen für einen professionellen naturwissenschaftlich-technischen Unterricht anzueignen und dies in einem Lerntagebuch für die spätere Reflexion zu dokumentieren.

Umsetzbare Strategien wurden aufgezeigt
Auch für das Projekt “STE-PS” waren die Erkenntnisse aus der Veranstaltung von großer Bedeutung hinsichtlich der weiteren Arbeit. In einem Abschlussdialog wurde herausgestellt, wie wichtig es ist, sich im Projekt vertieft mit den Fragestellungen zur Erreichung von Fachkompetenz und Selbstwirksamkeit auseinanderzusetzen und die Zusammenarbeit mit Mentoren weiter zu stärken. Die Resonanz unter den Zuhörern war einstimmig positiv, was sowohl die Gestaltung der Veranstaltung als auch die Ausführungen der Referentin anbelangte. Die Teilnehmer hatten umsetzbare Strategien aufgezeigt bekommen, wie sie fachliche Lücken schließen können, war zu hören.

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Dieser Beitrag wurde am Friday, den 25. December 2009 veröffentlicht und unter der Kategorie STE-PS Forum, STE-PS Presseberichte abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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